Allgemeines zur Satelliten-Technik
Geschichte der Satelliten-Technik
Das Satelliten-Zeitalter begann am 4. Oktober 1957,
als mit Sputnik 1 der erste künstliche Erdtrabant in eine
Erdumlaufbahn geschossen wurde. Sputnik 1 verglühte
zwar bereits nach 3 Monaten in der Erdatmosphäre, aber
schon 1962 wurde der erste Telekommunikations- und
Fernsehübertragungssatellit gestartet. Im Jahre 1983
nahm der erste direkt empfangbare Fernsehsatellit über
Europa seinen Betrieb auf. Populär wurde der direkte
Satellitenempfang in Deutschland allerdings erst ab 1989
mit ASTRA 1A. Heute versorgen über 50 Satelliten von
ca. 30 verschiedenen Orbitalpositionen aus ganz Europa
mit Fernseh- und Radioprogrammen. Moderne Satelliten
wiegen bis zu 5 Tonnen und haben riesige Solarpanels, um
die elektrische Leistung für bis zu 36 Transponder erzeugen
zu können. Neue Satelliten strahlen pro Transponder
bis zu 150 Watt Sendeleistung ab. Neben den Solargeneratoren
haben alle Satelliten noch Batterien an Bord, um
auch während Eklipsen (Durchgang durch den Erdschatten)
den Betrieb aufrechterhalten zu können.
Die Lebensdauer eines Satelliten wird in der Regel auf
ca. 12 Jahre projektiert. Danach sind die Solarzellen, die
Batterien und die Sendeverstärker „am Ende”. Außerdem
ist üblicherweise der Treibstoff für die Steuerdüsen
verbraucht und der Satellit kann nicht mehr auf seiner
Position gehalten werden. Mit dem letzten Rest Treibstoff
wird der Satellit aus seiner Bahn katapultiert, um Platz
für seinen Nachfolger zu schaffen.
ASTRA
ASTRA I ist die für den deutschsprachigen Raum wichtigste
Satellitenkonstellation auf 19,2° Ost. Seit dem
Start von ASTRA 1A im Dezember 1988 wurden mittlerweile
insgesamt 10 einzelne Satelliten unmittelbar
nebeneinander auf dieser Position gruppiert, davon sind
heute noch 6 aktiv. Eigentümer aller ASTRA Satelliten ist
die private Gesellschaft SES aus Luxemburg. Zunächst
wurden alle Signale vom Hauptquartier der SES in Betzdorf/
Luxemburg zu den Satelliten gesendet, heutzutage
betreiben viele Fernsehanbieter eigene Uplinkstationen.
Die zum Satelliten gesandten Signale werden dort auf
eine andere Frequenz umgesetzt, verstärkt und anschließend
zur Erde zurückgestrahlt. Seit 1998 besitzt die SES
eine zweite Orbitalposition auf 28,2° Ost, bekannt als
ASTRA II. Hier sind zur Zeit 4 Satelliten gruppiert. Von
dieser Position aus werden hauptsächlich Programme
für den englischen Markt ausgesendet. Mittlerweile
betreibt die SES auch die Satelliten Astra 3 und Sirius
auf unterschiedlichen Orbitalpositionen mit jeweils
anderen Zielgruppen.
EUTELSAT
EUTELSAT ist eine länderübergreifende Organisation, die
schon 1977 gegründet wurde. Im Juni 1983 wurde der
erste EUTELSAT I F1 Satellit in den Weltraum gebracht.
Inzwischen betreibt die EUTELSAT Organisation zahlreiche
Satelliten auf vielen verschiedenen Orbitalpositionen.
Die bekannteste Position ist 13° Ost, wo unter dem Namen
HOTBIRD zur Zeit 3 nagelneue Satelliten ko-positioniert
sind. EUTELSAT betreibt auch mehrere Satelliten unter
dem Namen AtlanticBird, die unter anderem den franzö-sischsprachigen
Raum versorgen.
Ko-Positionierung
Heutzutage werden oft mehrere Satelliten sehr eng
nebeneinander positioniert, sodass sie von der Erde aus
wie ein einziger Satellit wirken. Die Satelliten arbeiten
dann unter einem gemeinsamen Namen wie ASTRA I oder
HOTBIRD und werden durch Indexziffern oder Buchstaben
unterschieden. Die ko-positionierten Satelliten befi nden
sich miteinander in einem Raumwürfel mit idealerweise
nur 40 km Kantenlänge. Natürlich dürfen sich die
Satelliten nicht berühren, was einem Totalschaden gleich
käme. Deshalb wird die exakte Position ständig überwacht
und durch Steuerdüsen korrigiert.
Footprint oder Ausleuchtzone
Ein geostationärer Satellit „sieht“ aus seiner Position zwar
fast die Hälfte der Erde, jedoch reicht die zur Verfügung
stehende Energie nicht aus, um den ganzen Bereich mit
empfangbaren Signalen versorgen zu können. Deshalb
werden nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten nur
bestimmte Bereiche der Erde versorgt – man nennt das
Gebiet, in dem ein bestimmtes Signal zu empfangen ist,
„den Footprint”, zu deutsch „die Ausleuchtzone”.
Die vom Satellitenbetreiber offi ziell veröffentlichten
Footprints sind oft ein wenig pessimistisch, weshalb man
mit einer guten Empfangsanlage in aller Regel auch noch
ein Stück außerhalb des Footprints Empfang haben kann.
In Wahrheit sind die Footprints, speziell an den Rändern,
auch lange nicht so gleichmäßig wie auf den Bildern dargestellt,
sondern eher „ausgefranst”. In den Randgebieten
bleibt also nur ausprobieren übrig.
Orbitalposition oder Satellitenposition
Die Satelliten werden auf einer geostationären oder
geosynchronen Bahn in einer Höhe von ca. 36.000 km
exakt über dem Äquator positioniert. In dieser speziellen
Höhe stehen sie immer über demselben Punkt der Erde.
Der geografi sche Längengrad dieser Position ist also das
Unterscheidungskriterium zwischen den Satelliten.
23
Glossar
ASTRA I auf 19,2° Ost steht somit ungefähr über der Stadt
Mbandaka/Kongo. Die Gradangabe sagt zunächst nichts
über die Ausrichtung der Antenne zum Satelliten aus!
Transponder
Moderne Satelliten haben bis zu 36 Transponder. Auf
einem Transponder können entweder ein analoges oder
bis zu 12 digitale Fernsehprogramme übertragen werden.
Die Sendeleistung eines neuen, modernen Transponders
liegt bei bis zu 150 W, nimmt aber im Laufe der Jahre
immer mehr ab. Ältere Satelliten haben Transponderleistungen
von teilweise unter 50W. Prinzipiell können
„alte“ Analogtransponder auch digital weiterverwendet
werden, meist werden dann aber weniger Programme
übertragen als bei neueren Transpondern und die
Ausleuchtzone ist kleiner.
|