Übertragungsverfahren
Analog-Technik
Das analoge Übertragungsverfahren war in der Vergangenheit
der Standard. Deutschland ist eines der wenigen
europäischen Länder, das diese Technik auch heute
noch – parallel zur neuen Digitaltechnik – verwendet.
Der Hauptnachteil der Analogtechnik ist, dass nur ein
Fernsehprogramm und ggf. 4 Radioprogramme pro
Transponder gleichzeitig übertragen werden können.
Auf ASTRA I sind derzeit noch ca. 30 Analogtransponder
aktiv, in den nächsten Jahren dürften es zusehends
weniger werden. Die öffentlich-rechtlichen Programme
Deutschlands wollen allerdings noch bis 2011 die analoge
Aussendung, zumindest teilweise, aufrechterhalten.
Analogtransponder haben auf ASTRA I eine merklich
geringere Reichweite als Digitaltransponder.
Digital-Technik
Bereits heute und noch viel mehr in Zukunft spielt die
digitale Übertragungstechnik die bedeutende Rolle beim
Satellitenfernsehen. Der grundlegende Vorteil für die
Programmanbieter ist, mehrere Kanäle über einen
Transponder übertragen zu können. Dabei ist die Belegung
vollkommen frei wählbar. Anstatt bis zu 12 Fernsehprogrammen
können auch nur Radioprogramme oder ein
beliebiger Mix aus Fernseh- und Radioprogrammen übertragen
werden. Auch Internet-Daten oder jede andere
Art von Datendiensten sind realisierbar. Neben der
Flexibilität ergeben sich für die Sendeanstalten natürlich
Kostenvorteile.
Transportstream
Die Gesamtheit der digitalen Daten, die über einen Transponder
übertragen werden, nennt man Transportstream.
Darin stecken dann die einzelnen Fernseh- und Radiokanäle.
Der Transportstream ist das, was der Receiver
eigentlich empfängt. Die Angaben Frequenz, Polarisation,
Symbolrate, welche man öfters liest, beziehen sich immer
auf einen Transportstream.
Bandbreite
Bei Analogtranspondern war die Bandbreite auf
ca. 27 MHz festgelegt. Digitaltransponder können mit
nahezu beliebiger Bandbreite gefahren werden. Dadurch
wird es möglich, ältere, schwächere Transponder mit
geringerer Bandbreite zu betreiben und so doch noch
eine größere Reichweite zu erzielen. Weiterhin können
auf einem Transponder mehrere voneinander unabhängige
Signale (Transportstreams) geringer Bandbreite übertragen
werden, ein Verfahren, das insbesondere von Übertragungsfahrzeugen
gerne genutzt wird. Allgemein gilt,
dass Signale großer Bandbreite (MCPC – Multiple
Channel per Carrier) eher für den Empfang durch den
Endkunden gedacht sind, während Signale geringer Bandbreite
(SCPC - Single Channel per Carrier) meist Überspielungen,
sog. „Feeds” dienen. Auf ASTRA 1 fi nden sich fast
ausschließlich MCPC-Signale für den Direktempfang.
Symbolrate
Eine Größe, die bei Digitaltranspondern wichtig zu wissen
ist, denn sie muss für einen erfolgreichen Programmsuchlauf
richtig in den Receiver eingegeben werden, wenn
spezielle Kanäle gesucht werden. Je größer die Symbolrate,
desto größer auch die Bandbreite, desto mehr Kanäle
können über einen Transponder übertragen werden Allerdings
gibt es bei der Digitaltechnik sehr viele Möglichkeiten
über die Symbolrate hinaus den Transportstream
zu konfi gurieren. Manche Anbieter nutzen dies, um sehr
viele Kanäle in einen Transponder zu quetschen, was sich
dann in schlechter Bildqualität, geringerer Reichweite
und deutlicher Fehleranfälligkeit äußert.
Reichweite beim Digitalempfang
Genau genommen erreicht jeder einzelne Transponder
eine etwas unterschiedliche Reichweite. Oft ist dies
erwünscht, um z. B. nur ein bestimmtes Gebiet zu versorgen,
manchmal ergibt es sich mehr oder minder zufällig.
Neben der Sendeleistung spielt natürlich der verwendete
Satellit eine Rolle, aber auch die Konfi guration des Transportstreams
und die Bandbreite des Signals. Deshalb ist
es durchaus normal, dass an den Rändern des Footprints
manche Kanäle noch zu empfangen sind, andere schon
nicht mehr. Moderne Automatikanlagen suchen selbstverständlich
ausschließlich digital und fi nden deshalb den Satelliten auch noch in Gegenden, in denen nur
noch wenige Programme zu empfangen sind. Anlagen,
die immer noch auf die analoge Suche setzen, verschenken
da natürlich viele 100 km Reichweite. Deutsche Digitalprogramme
haben gegenüber den Analogprogrammen
besondere Vorteile in Süditalien, Griechenland und
Nordwest- Afrika, aber auch in den östlichen Regionen
Europas.
Störungen beim Digitalempfang
In aller Regel ist das Bild bei schlechtem Signal nahezu
schlagartig „weg”. Störungen zeigen sich meist durch ein
grob gerastertes Bild oder durch Stehenbleiben des Bildes.
Meist ist dann das Signal zu schwach. Es kann sich
aber auch um senderseitige Fehler oder Überlastung des
Transportstreams handeln. Auf HOTBIRD fi nden sich häufi g
typische Beispiele von Kanälen, die trotz sehr starkem
Signal immer merklich gestört sind.
Freie Sicht zum Satelliten
Das wichtigste Kriterium überhaupt, um guten Empfang
zu haben. Massive Gebäude im Signalpfad verhindern den
Empfang immer. Bäume können in seltenen Fällen durchlässig
für das Signal sein, darauf verlassen sollte man sich
aber keinesfalls.
Bei der Standortwahl zu berücksichtigen ist die Geografi e
– je weiter nördlich man sich aufhält, desto fl acher fällt
das Signal ein. Im hohen Norden können aufgrund der
Erdkrümmung sogar topografi sche Hindernisse wie
Berge den Empfang der Satellitenprogramme verhindern.
Antennengröße
Je größer die Antenne ist, desto größer wird der Footprint
(die Reichweite) eines bestimmten Transponders und die
Reserve gegenüber schlechten Wetterbedingungen.
Eine beschädigte (verbogene, verbeulte) Antenne reduziert
die Reichweite drastisch. Besonders gute LNBs können
ihren Vorteil nur an der Grenze des Footprints ausspielen.
Mitten im Empfangsgebiet, z. B. in Deutschland, wird
von den Satellitenbetreibern bereits eine Mindestgröße
der Antenne empfohlen, um störungsfreien Empfang, auch
bei schlechtem Wetter, zu genießen.
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